In den vergangenen Monaten war viel vom neuen Altersvorsorgedepot die Rede. Schnell entsteht dabei der Eindruck, der Gesetzgeber würde einfach ein neues Vorsorgeprodukt schaffen, das künftig für alle die bessere Alternative zum bisherigen Riester-Vertrag sein soll.
Ganz so einfach ist es nicht.
Eigentlich geht es um eine Reform der geförderten privaten Altersvorsorge. Und innerhalb dieses neuen Systems soll es unterschiedliche Produktwelten geben. Vereinfacht gesprochen lassen sich dabei drei Kategorien unterscheiden:
1. Das Standarddepot
Das Standarddepot soll vor allem eines sein: einfach.
Die Idee dahinter ist eine standardisierte Kapitalanlage mit begrenzten Wahlmöglichkeiten. Der Sparer muss sich also nicht selbst aus Tausenden von Fonds, ETFs und anderen Anlagen ein eigenes Portfolio zusammenstellen.
Das kann insbesondere für Menschen interessant sein, die kapitalmarktorientiert vorsorgen möchten, sich aber nicht permanent mit ihrer Geldanlage beschäftigen wollen. Es hat aber auch den Nachteil, dass es unflexibel und möglicherweise für teilweise lange Laufzeiten (bis zum Lebensende) etwas zu schlicht ist.
2. Das Altersvorsorgedepot
Hier steht stärker die individuelle Kapitalanlage im Vordergrund.
Statt einer klassischen Versicherungslösung kann das Geld kapitalmarktorientiert für die Altersvorsorge investiert werden. Damit rücken Fonds und ETFs stärker ins Zentrum der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge.
Mehr Freiheit bedeutet allerdings auch mehr Verantwortung. Denn ein Altersvorsorgedepot für einen 28-Jährigen mit noch mehreren Jahrzehnten bis zur Rente kann ganz anders aussehen als für jemanden, der mit 57 Jahren seine bestehende Altersvorsorge neu ordnet.
3. Das Garantieprodukt
Und dann gibt es weiterhin Menschen, die sagen:
„Altersvorsorge ist für mich kein Geld, mit dem ich große Schwankungen erleben möchte.“
Auch dafür soll es entsprechende Lösungen mit Garantien beziehungsweise stärkerer Absicherung geben. Diese Sicherheit hat allerdings ihren Preis. Denn Geld, das abgesichert werden muss, kann nicht in gleichem Umfang frei am Kapitalmarkt arbeiten. Und genau hier wird es interessant.
„Drei Möglichkeiten – aber welche ist die richtige?“
Auf diese Frage gibt es eben keine Antwort für alle.
Nehmen wir zwei Kunden: Einer ist 30 Jahre alt, hat noch keine geförderte Altersvorsorge, keine Kinder und kann mit Kursschwankungen gut leben. Der andere ist 55, besitzt bereits einen Riester-Vertrag, hat Familie und legt deutlich größeren Wert auf Sicherheit. Warum sollten beide dieselbe Lösung wählen?
Bei der Entscheidung werden deshalb zahlreiche persönliche Faktoren eine Rolle spielen:
Gibt es bereits einen Riester-Vertrag? Wie alt ist der-/diejenige und wie lange ist es noch bis zum Ruhestand? Welche Risikobereitschaft besteht? Wie viel Erfahrung mit Aktien, Fonds oder ETFs ist vorhanden? Wie sieht die übrige Altersvorsorge aus? Gibt es einen Ehepartner, Kinder oder andere Hinterbliebene, die berücksichtigt werden sollen? Wird größere Flexibilität gewünscht oder ist eine Garantie wichtiger? Und nicht zuletzt: Wie soll das Geld später im Ruhestand verwendet werden?
Die Frage wird künftig nicht lauten, ob das Altersvorsorgedepot gut ist, sondern welche Form der geförderten Altersvorsorge zu einem passt.
Und diese Frage dürfte sogar anspruchsvoller werden als bisher. Denn mit der Reform werden Versicherer, Fondsgesellschaften, Banken und andere Anbieter mit neuen Lösungen um die Kunden konkurrieren. Aus drei grundsätzlichen Produktwelten dürfte damit eine sehr große Zahl konkreter Angebote und Anlagestrategien entstehen.
Ein günstiges Produkt ist dann nicht automatisch ein gutes Produkt. Und die höchste Aktienquote ist genauso wenig automatisch die beste Lösung wie die höchste Garantie.
Eine Altersvorsorgeentscheidung läuft schließlich nicht für zwei oder drei Jahre. Sie begleitet einen im Zweifel über Jahrzehnte. Deshalb sollte man gerade bei der Altersvorsorge nicht zuerst fragen:
„Welches neue Produkt soll ich kaufen?“
Sondern:
„Was habe ich bereits, wo möchte ich hin und welche der neuen Möglichkeiten passt langfristig zu meinem Leben?“
Und genau dafür ist eine professionelle Beratung da.